Einen dringenden Appell richtet Dr. Clemens Bold, Geschäftsführer des Verbandes der Privatkrankenanstalten in Baden-Württemberg (VPKA-BW), im Vorfeld der Einführung des Gesundheitsfonds an die Politik: „Es müssen umgehend Maßnahmen zur sachgerechten Finanzierung der Leistungen in der Rehabilitation sowie zur Sicherung des Qualitätswettbewerbs ergriffen werden“. Es ist abzusehen, dass der steigende Kostendruck auf die Krankenkassen durch den Gesundheitsfonds die Vergütungsverhandlungen zwischen Kliniken und Krankenkassen weiter verschärft und die Versorgungsstrukturen gefährdet, mahnt Bold im Namen seines Präsidiums.
Die Rehakliniken sind in den vergangenen fünf Jahren durch gestiegene Personal- und Energiekosten sowie die Erhöhung der Mehrwertsteuer mit enormen Mehrkosten belastet worden, ohne einen Ausgleich durch entsprechende Vergütungsvereinbarungen mit den Kassen zu erfahren. Bedauerlicherweise hat sich zeitgleich in der Praxis eine Situation entwickelt, die der Verband als höchst bedenklich einstuft: Der Betrieb eigener Einrichtungen und die Möglichkeit zu deren vorrangiger Belegung stärkt die Position der Kassen in den Vergütungsverhandlungen. Wer von Kassen vorgeschlagene Preise nicht akzeptieren kann, riskiert möglicherweise Belegungsrückgänge in den eigenen Kliniken. Der wachsenden Gefahr eines „Preisdiktats“ der Kassen muss begegnet werden. „Auch wenn dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit Priorität eingeräumt werden muss, sollte das nicht zu Lasten des Qualitätswettbewerbes gehen“ so Bold.
Der VPKA-BW fordert deshalb die gesetzliche Verankerung eines „Orientierungswertes“, der aktuelle Kostensteigerungen berücksichtigt und allen Verhandlungen zugrunde liegen muss. Die Berechnung dieses Wertes soll im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit durch das Statistische Bundesamt erfolgen.
Wichtig ist für den VPKA-BW gleichzeitig die stärkere Einforderung der Informationspflicht der Krankenkassen gegenüber ihren Versicherten in Bezug auf das gesetzlich verankerte Wunsch- und Wahlrecht. Nur nach Qualität fragende Patientinnen und Patienten – nämlich die, die von ihrem Wahlrecht wissen – stärken den Qualitätswettbewerb. Im Gegensatz zur kurzfristigen Einsparungen durch niedrige Pflegesätze ist das langfristig die wirkungsvollste Maßnahme zur Kostendämmung im Gesundheitswesen, denn die Qualität der Reha sichert nicht nur langfristige medizinische Behandlungserfolge sondern ermöglicht auch die erfolgreiche Wiedereingliederung in den Beruf bzw. die möglichst selbständige und unabhängige Bewältigung des täglichen Lebens.
Anmerkung: Mit Anschreiben vom 21. Oktober 2008 ist die Forderungen nach sachgerechter Finanzierung der medizinischen Rehabilitation des Verbandes der Privatkrankenanstalten in Baden-Württemberg (VPKA-BW) mit entsprechenden Vorschlägen für die Änderung von Gesetzestexten an Sozialministerin Dr. Monika Stolz weitergegeben worden.
Über den Verband der Krankenanstalten in Privater Trägerschaft Baden-Württemberg e.V.
Der Verband der Privatkrankenanstalten in Baden-Württemberg e. V. versteht sich seit über 50 Jahren als Fach- und Arbeitgeberverband, der die gemeinsamen Belange der Privatkrankenanstalten in Baden-Württemberg in gesellschaftlichen sozialpolitischen und tariflichen Angelegenheiten wahrnimmt.
Der Verband vertritt diese insbesondere gegenüber der Öffentlichkeit, der Regierung, den politischen Parteien, den Behörden, den fachlichen und überfachlichen Unternehmensorganisationen sowie den Gewerkschaften.
Mitglieder des Verbandes sind stationäre Einrichtungen im Akut-, Reha- und Pflegebereich. Dabei handelt es sich sowohl um Häuser mit sozialversicherungsrechtlicher Zulassung als auch um reine Privatkliniken.
